WIDERSTÄNDIG BLEIBEN!

Das Jahr beginnt – und beginnt mit Schlagzeilen, die von Krieg und Spannung dominiert sind.
Eine kurze Atempause (die es auch an den unantastbaren Weihnachtstagen für viele Menschen in Wirklichkeit nicht gab), und das Weltgeschehen geht weiter.

Ich nehme mir schon lange keine Vorsätze mehr vor, dass es dieses Jahr aber wieder darum gehen wird, inneren Widerstand aufzubauen, hat weniger mit Optimierungszielen zu tun als vielmehr damit, dass es ihn braucht. Man mag das belächeln oder als Plattitüde abtun – tatsächlich beginnt der Kampf gegen Feindseligkeit mit innerem Widerstand gegen die Neigung zur Dummheit und Verwahrlosung.

Es ist ein innerer Widerspruch in mir, den ich versuche zu versöhnen, aber grenzenlose Freundlichkeit und Gutmütigkeit werden die Boshaftigkeit nicht aufhalten können. Dafür ist sie ja in ihrem Wesen mit nichts weiter als diesem zerstörerischen Antrieb ausgestattet, welcher erst dann zum Erliegen kommt, wenn das Biest im Käfig steckt. Die Band Earth Crisis beschreibt in ihrem Song Nemesis, dass wir uns manchmal in Monster verwandeln mussten, um Monster zu bekämpfen. Das heißt: das notwendige Monster als Metamorphose, wie eine Art positive Misanthropie gegen die Dummheit – als eine Strategie gegen die innere Verwahrlosung?

Es bleibt weiterhin richtig, was Dietrich Bonhoeffer über die Dummheit gesagt hat, die – anders als die kalkulierte Boshaftigkeit – tatsächlich der schlimmste Zustand ist, denn aus ihr heraus werden Menschen unbelehrbar, als Resultat einer inneren Zersetzung und Zerstreuung.

Vielleicht gilt es, eine Art Misanthropie zu definieren, die niemals dem Menschen per se seinen Wert abspricht, die sich aber gegen die Tendenzen richtet, sich der Dummheit hinzugeben – der Faulheit, der inneren Rücksichtslosigkeit, die nur im Erzielen egoistischer Ziele den Sinn des Lebens sieht. Gegen die Vorstellung, dass die Welt nichts weiter sei als ein toter, mit Gegenständen angefüllter Ort, den ich bis zu meinem letzten Atemzug für meine eigenen Zwecke ausnutzen darf.

Sich dieser inneren Tendenz zu stellen, ist weitaus schwieriger, und wie viele Geläuterte irgendwann unter Tränen gestehen, war genau das immer der härteste Kampf. Es lohnt sich, schon jetzt mit der inneren Arbeit zu beginnen – gerade weil Tyrannen das verachten. Als Egoman:innen, die über diese Welt ziehen und ihr Gift verteilen – gegen alles, was andersartig ist –, wird man nicht geboren. Man wird nur so, wenn man eben den Kopf einzieht und das, was das Leben notwendigerweise abverlangt in Bezug auf echtes Übernehmen von Verantwortung für das eigene Handeln – trotz schmerzhafter Erfahrungen, Lieblosigkeit und Negativität – konsequent vertagt und lieber im „Jetzt“ am liebsten die Welt und alles in ihr verschlingen will. Diese Gier ist in ihrem Wesen nichts weiter als Illusion und Dummheit.

Deshalb wird dieses Jahr – und ich hoffe, dass ich dich damit inspirieren kann – vielleicht wieder ein Jahr werden, in dem vom Innen nach außen gearbeitet wird, beständig in der Welt tätig zu sein, zu handeln, vom bloßen Anhäufen und vom Hamsterrad wirklich ins Tun zu kommen und aktiv mitzuwirken in der Gesellschaft. Und gleichzeitig Grenzen zu ziehen. Härte zu zeigen, da, wo sie notwendig ist – ohne in Hass oder Verachtung zu kippen.

Eine große Herausforderung, etwas viel für ein paar aufmunternde Worte – aber vielleicht ein Funken sinnvoller Anspruch. Und nun merke ich gerade selbst: Vielleicht dann doch noch ein Vorsatz für das kommende Jahr. Was kommt da auf uns zu? Wenn es nicht gut ist, heißt die Devise: widerständig bleiben.